Nach einem ordentlichen Schrecken machen die Raubtiere einen Bogen um tödliche Kröten.

Süßwasserkrokodile erlitten massive Bestandseinbrüche, während sich die giftigen Aga-Kröten in Australien ausbreiteten.
Ein einziger elender Abend nach einem verdorbenen Essen reicht, damit ein Mensch eine Zutat fürs ganze Leben meidet. Um Krokodilen beizubringen, eine tödlich giftige Kröte zu verschmähen, braucht es nichts weiter als ein ganz, ganz widerliches Krötenhinterteil.
Süßwasserkrokodile in Australien, die sich über Aga-Kröten-Kadaver hergemacht hatten, welche mit einer Übelkeit erregenden Chemikalie versetzt waren, fraßen danach viel seltener lebende Kröten, wenn die giftigen Amphibien angehüpft kamen. Diese Art von Lektion könnte jenes Massensterben von Raubtieren verhindern, das regelmäßig eintritt, sobald sich Aga-Kröten auf dem Kontinent ausbreiten. Das berichten Forschende am 14. August in den Proceedings of the Royal Society B.
Aga-Kröten (Rhinella marina) wurden in den 1930er-Jahren nach Australien eingeschleppt und begannen rasch, unter den einheimischen Arten verheerenden Schaden anzurichten. Die Gefahr geht dabei nicht von dem aus, was sie fressen, sondern von dem, was sie frisst. Die Kröten besitzen große Drüsen, die ein starkes Gift enthalten. Während die Aga-Kröten sich immer weiter ausbreiteten, fielen die Süßwasserkrokodile (Crocodylus johnstoni) auf den verlockenden Happen herein. In den 2000er-Jahren beispielsweise brachen die Krokodilbestände entlang des Victoria River um bis zu 77 Prozent ein, nachdem die Aga-Kröten dort eingewandert waren.
Doch was wäre, wenn man Krokodile lehren könnte, Aga-Kröten ganz und gar zu meiden?
Georgia Ward-Fear, Naturschutzwissenschaftlerin an der Macquarie University in Sydney, hat eine Technik namens konditionierte Geschmacksaversion erprobt. In früheren Arbeiten setzten Ward-Fear und ihre Kolleginnen und Kollegen „Lehrkröten“ aus – Kaulquappen, Eier oder noch sehr junge Aga-Kröten, die noch nicht genug Gift in sich tragen, um tödlich zu sein –, bevor die erwachsenen Tiere ankamen. Große Warane fraßen die kleinen Kröten und wurden krank, überlebten jedoch und lernten, die tödlichen ausgewachsenen Exemplare zu meiden.
Doch Babykröten liegen weit unter der Aufmerksamkeitsschwelle von Krokodilen.
Um die Krokodile zu trainieren, arbeiteten Ward-Fear und ihr Team mit den Bunuba-Rangern zusammen, Angehörigen einer australischen indigenen Gruppe, die die Süßwasserkrokodile als wichtigen Teil ihrer Traumzeit-Geschichten betrachten – ein Bestandteil der Religion und Kultur der Gemeinschaft. Das Team sammelte rund 2.400 tote Kröten und entfernte Köpfe, Giftdrüsen und innere Organe. Die verbleibenden Krötenhinterteile versetzten die Forschenden mit Lithiumchlorid, einer Chemikalie, die heftige Übelkeit hervorruft. Dann richtete das Team bewegungsgesteuerte Kameras ein und ließ die toten Kröten sowie nicht versetztes Hühnerfleisch als Köder über der Wasseroberfläche an vier Schluchten in der zentralen Kimberley-Region in Australien baumeln.
Nach den „Unterrichtsstunden“ der Krokodile kehrten Ward-Fear und ihre Kollegen zurück, um herauszufinden, ob die Krokodile aus den Ködern gelernt hatten. Sie suchten nach toten Krokodilen und öffneten sie, um festzustellen, ob eine giftige Kröte die Todesursache war.

Um Krokodilen beizubringen, sich von giftigen Aga-Kröten fernzuhalten, platzierten Wissenschaftler Aga-Kröten-Köder, die mit Übelkeit erregendem Lithiumchlorid versetzt waren (hier am linken Stock zu sehen, neben einem harmlosen Kontrollköder am rechten Stock).
Die Krokodile lernten schnell, dass einmal völlig ausreichte, wenn es um den Verzehr einer Aga-Kröte ging. Die Forscher fanden bemerkenswert wenige Kadaver von Krokodilen, die lebende Aga-Kröten verspeist hatten. An einem Ort, an dem die Kröten bereits angekommen waren, fanden Ranger im Jahr 2020 noch 63 tote Krokodile. Nachdem das Team aber jene Krokodile, die 2021 dasselbe Gebiet aufsuchten, mit Ködern trainiert hatte, starben nur noch drei an Krötenfraß. An einem anderen Ort kostete kein einziges Krokodil mehr eine Kröte, nachdem es trainiert worden war. In einem nahegelegenen, nicht beköderten Gebiet hingegen starben zwischen 20 und 40 Prozent der Krokodile daran, frisch eingetroffene Kröten zu fressen.
„Dies ist ein wunderbar innovatives und wirksames Beispiel für das enorme Potenzial der konditionierten Geschmacksaversion als Werkzeug für den Naturschutz“, sagt Colleen St. Clair, Naturschutzbiologin an der University of Alberta in Edmonton, Kanada. Viele Wissenschaftler seien der konditionierten Geschmacksaversion gegenüber misstrauisch gewesen, seit frühe Versuche bei Säugetieren in den 1970er-Jahren gescheitert seien, sagt sie. „Ich rechne damit, dass dies eine wegweisende Studie wird, die zeigt, dass eine sehr alte [Übelkeit erregende Substanz], Lithiumchlorid, bei Lauerjägern wie Krokodilen wirksam ist.“
Vor der Studie fanden Ranger und Forschende gleichermaßen immer wieder sterbende Krokodile, die hilflos im Wasser um sich schlugen, nachdem sie tödliche Kröten gefressen hatten. Es sei „sehr schmerzlich für uns als Wildbiologen und indigene Ranger“, sagt Ward-Fear. Das Ergebnis ist sowohl ein ökologischer als auch ein emotionaler Erfolg.
Quelle: Bethany Brookshire, Science News, 2024. Vol. 206 #4
Kategorie:
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